Bin ich es mir wert?

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Zu Beginn dieses Artikels möchte ich dir direkt zwei Fragen stellen:

1.      Kennst du deine Bedürfnisse?

Und wenn du sie kennst, kommen wir direkt zur nächsten Frage:

2.      Lebst du auch nach ihnen?

Ich denke, das sind zwei ziemlich bedeutende Fragen, besonders wenn man den Wunsch nach einem zufriedeneren Leben hegt.

Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich meine Bedürfnisse mittlerweile kenne, was allerdings nicht automatisch auch bedeutet, dass ich diese immer berücksichtige. Allerdings kann ich verglichen mit der Anna von vor 10 oder 5 Jahren eine deutliche Steigerung im Wahrnehmen und Berücksichtigen von meinen Bedürfnissen wahrnehmen. Mein damaliges Ich war sich, glaube ich, nicht mal bewusst darüber, dass es überhaupt Bedürfnisse haben und diesen entsprechend auch handeln darf.

Rückblickend macht es mich schon fast traurig daran zurückzudenken, wie wenig ich meine Bedürfnisse ernstgenommen habe. Ich habe damals genau genommen, eigentlich nur funktioniert. Wichtig war für mich damals vor allem mich um meinen Unikram zu kümmern und einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.

Ich habe zu der Zeit null Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen. Ich hatte die ganze Zeit Unistress, habe viel zu wenig geschlafen, lief die ganze Zeit auf hohen Schuhen, war im Winter immer viel zu dünn angezogen, hab gehungert, exzessiv Sport getrieben und mir keine Pausen gegönnt. Ich habe mir und meinem Körper nur Dinge abverlangt ohne ihm irgendetwas zurückzugeben. Es ging bei all dem, ohne das es mir wirklich bewusst war, mehr darum, dass das Bild nach aussen hin stimmt:

Gut in der Uni sein und gut aussehen, das war wichtig.

Bedürfnisse ernst nehmen

Heute sieht das Ganze etwas anders aus. Ich bekomme meistens genug Schlaf, trage die meiste Zeit flache Schuhe, bin im Winter warm genug angezogen, esse gesund und genug, mache Sport, weil ich Spass daran habe und gönne mir Pausen. Ausserdem habe ich Meditation und Yoga in meinen Alltag integriert. Ich achte heute also viel besser auf mich als früher und nehme mich und das, was ich brauche, viel ernster.

Doch obwohl Sport, Yoga, Meditation und Co. Teil meiner alltäglichen Routinen sind und damit auch gewisse Bedürfnisse von mir befriedigt werden, nehme ich andere Bedürfnisse weniger ernst. Eines haben diese Bedürfnisse, die ich nicht so wichtig nehme gemeinsam, sie auszuleben, ist, zumindest auf den ersten Blick, nicht besonders produktiv.

Was ich damit meine ist, dass es für mich völlig Sinn macht, mir Zeit dafür zu nehmen, Sport zu machen, zu meditieren, mir gesundes Essen zuzubereiten, mich zu dehnen,… Bei solchen Dingen weiss ich einfach, dass sie gut für meinen Körper und meinen Geist sind.

Der reine Spass bleibt auf der Strecke

Bedürfnisse, wie zum Beispiel zu malen oder schwimmen zu gehen, ignoriere ich leider zu oft, weil sie «nur» Spass bedeuten und deswegen gerne mal unerfüllt bleiben, weil vermeintlich wichtigere Dinge anstehen. Das obwohl diese Dinge auf den zweiten Blick eben doch produktiv sind, denn das Malen regt meine Fantasie und meine Kreativität an, während ich beim Schwimmen unglaublich gut nachdenken kann.

Ausserdem muss es natürlich auch nicht immer um Produktivität gehen. Es darf auch einfach mal “nur” Spass bringen. Aber warum mache ich es dann oftmals trotzdem nicht?

Mein Gefühl ist, dass es den allermeisten von uns so geht, dass wir einfach wahnsinnig viel zu tun haben: Uni, Arbeit, Sport, Hobbies, Haushalt, Freunde,… Oftmals bleiben dann einfach die Dinge, die wirklich Spass machen auf der Strecke, weil man sich denkt: «Das mach ich dann halt ein anderes Mal», obwohl es eigentlich so wichtig wäre, dass wir auch einfach mal Dinge tun, die nicht mit Pflichten verbunden sind, kein Endergebnis haben müssen, sondern einfach nur Freude bereiten.

Ich will damit übrigens nicht sagen, dass Freunde treffen oder Sport machen, keinen Spass bringt, das tut es. Aber manchmal möchte man doch einfach nichts tun und freut sich schon die ganze Zeit darauf am Sonntagnachmittag endlich Netflix zu schauen, zu lesen, zu malen oder schwimmen zu gehen. Ich erwische mich jedoch heute noch dabei, wie ich diese Bedürfnisse, die schon zu Plänen für’s Wochenende wurden, über den Haufen werfe, sobald sich andere Möglichkeiten ergeben. Nicht etwa, weil ich auf diese gerade mehr Lust habe, sondern schlicht und einfach, weil ich nicht Nein sagen kann.

In den allermeisten Fällen ist es nicht so, dass das Alternativprogramm zu meinen ursprünglichen Plänen, dann keinen Spass gebracht hätte, aber es ist eben auch nicht das, was ich mir eigentlich schon so lange vorgenommen hatte. Alles aufgrund der Angst Nein zu sagen.

Angst vor dem “Nein” sagen

Aber warum diese Angst? Bei mir kommen in solchen Situationen, in denen ich überlege meine eigentlichen Pläne doch umzusetzen, Gedanke auf, wie: «Aber was denken dann die anderen?» oder «Wir haben uns doch schon so lange nicht gesehen. Was bin ich für eine Freundin, wenn ich mich jetzt nicht anschliesse?». Kennst du solche Situationen und Gedankengänge auch?

Ich denke, dass wir alle vor der Herausforderung stehen, alles in unserem Leben unter einen Hut zu bekommen, was je nach Lebenssituation mal besser oder schlechter klappt. Und da wir alle auch Zeit mit unseren Freunden oder der Familie verbringen wollen und auch wissen, dass man Freundschaften einfach pflegen muss, fällt die Zeit, die wir nur für uns allein bräuchten, meistens weg.

Mehr “Me-Time” & Zufriedenheit

Ich bin allerdings der Ansicht, dass es keine Lösung sein kann diese Me-Time immer ganz hinten anzustellen, damit alle um einen herum zufrieden sind und man von sich sagen kann, dass man eine gute Freundin ist. Doch was ist die Lösung? Ich denke, es sind verschiedene Punkte.

Der allererste Punkt ist es sicherlich, festzustellen, was die eigenen Bedürfnisse sind, zum Beispiel, indem man diese in einer ruhigen Minute mal schriftlich festhält und diese dann auch ernst nimmt. Es hilft sich in diesem Zusammenhang Gedanken darüber zu machen, wie, wann und wie oft man beispielsweise malen oder schwimmen gehen oder was auch immer machen möchte.

Der zweite Punkt ist, die Zeit, die man mit seinen Freunden, Freundinnen und der Familie verbringt, so zu verbringen, dass es für alle Beteiligten eine Freude ist, dies zu tun. Im besten Fall läuft es also auf den guten alten Kompromiss hinaus, der im Idealfall für alle stimmt.

Wenn allerdings kein Kompromiss gefunden werden kann und es dir beispielsweise keinen Spass bringt in den Zoo zu gehen, aber deine ganz Clique dort hingehen möchte, dann lerne dich ohne schlechtes Gewissen auszuklinken. Womit wir bei Punkt drei angekommen wären.

Denn, wenn es dir keinen Spass bringt, dich im Zoo aufzuhalten, dann wird es für deine Leute wahrscheinlich auch keine Freude sein, zu sehen, wie wenig es dir im Zoo gefällt. Du tust also nicht nur dir, sondern auch deiner ganzen Clique einen Gefallen, wenn du sie nicht aus falschem Pflichtgefühl heraus begleitest.

Mein nächster Punkt umfasst ein wenig mehr Arbeit, die nicht nur dich betrifft, sondern auch deine Leute. Du kannst aber die Person sein, die den Stein ins Rollen bringt, wenn du etwas verändern möchtest.

Beim vierten Punkt geht es nämlich darum, in deinem Freundeskreis ein Umfeld zu kultivieren, indem man ungeniert sagen kann, dass man gerade einfach Lust auf einen ruhigen Nachmittag hat oder gerade Zeit für sich braucht, ohne dass sich das Gegenüber verletzt oder zurückgesetzt fühlt. Wenn du solch eine Atmosphäre in deiner Clique kreieren willst, solltest du zum einen, ihnen gegenüber offen mit deinen Empfindungen sein und auch ehrlich sagen:

«Leute, ich bin heute raus, mir ist nach einem chilligen Netflix-Nachmittag»

anstatt ihnen zu erzählen, dass dein Hamster gestorben ist, obwohl du noch nie einen Hamster besessen hast. 😉

Andersherum solltest du allerdings auch verständnisvoll sein, wenn deine Freunde mal keine Lust auf ein Treffen haben. Erst dann legst du von deiner Seite aus überhaupt die Grundlage für eine sehr entspannte und verständnisvolle Kultur in deinem Freundeskreis.

Denn Verständnis ist keine Einbahnstrasse, du kannst es nicht einfordern und dann selber nicht verständnisvoll sein. Beziehungsweise du kannst es schon, vermutlich wird das allerdings nicht auf Begeisterung in deinem Freundeskreis stossen. Langfristig werden deine Freundinnen und Freunde dir gegenüber dann wahrscheinlich auch nicht mehr ganz so verständnisvoll sein.

Der 4-Punkte-Plan

Also, ich fasse zusammen. Ich denke der Schlüssel, um seine Bedürfnisse ernst zu nehmen, ist es sich zuerst einmal überhaupt selber bewusst zu machen, wie die eigenen Bedürfnisse aussehen. Bei Unternehmungen mit Freunden solltet ihr versuchen, dass ihr einen gemeinsamen Kompromiss findet, der jeden von euch befriedigt.

Solltest du mit einem Kompromiss allerdings absolut nicht happy sein, dann klinke dich aus, zu deinem eigenen Schutz, aber auch um den anderen nicht die Freude an ihren Plänen zu verderben. Der letzte und mit wichtigste Punkt ist der, eine offene und verständnisvolle Atmosphäre in deinem Freundeskreis zu kreieren, in der du ganz frei deine Empfindungen ausdrücken kannst, ohne Sorge haben zu müssen, dass du nicht mehr dazugehörst, wenn du dich mal bewusst bei einem Treffen rausziehst.

 

Steh zu dir und deinen Bedürfnissen, denn du solltest es dir wert sein!

 

Haben dir die Tipps geholfen? Wenn ja, welche davon möchtest du umsetzen? Oder hast du andere Tipps, wie du deine Bedürfnisse ernst nimmst und auch umsetzt?

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

Alles Liebe,

Deine Anna