Warum du den negativen Self Talk über dich und andere aufgeben solltest

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Zu Beginn dieses Artikels möchte ich dich vorab etwas fragen, nämlich:

 Wie redest du mit dir selber?

 Findest du bei jedem Blick in den Spiegel irgendetwas an dir, das nicht gut ist? Kommen dir gedanklich oder manchmal sogar verbal so Sätze über die Lippen, wie «Ich bin so dumm»? Bist du deine grösste Kritikerin / dein grösster Kritiker? Und zwar nicht unbedingt im positiven Sinne, sondern in einer sehr destruktiven Art?

Wie sieht es mit deinen Gedanken anderen Menschen gegenüber aus?

Kennst du die Situation, dass du unterwegs bist und viele der Personen, die dir über den Weg laufen von dir abgecheckt und gedanklich beurteilt werden? «Die ist hübsch, aber viel zu stark geschminkt», «Der sieht gut aus, aber seine Nase ist viel zu gross für sein restliches Gesicht», «Wie ist die denn angezogen?», «Was hat die denn für eine Frisur?». Man befindet sich in einem Kreislauf des ständigen (negativen) Beurteilens.

Kommen dir diese Gedanken bekannt vor?

Ich oute mich, denn mir kommen diese Gedanken bekannt vor. Ich war eine Expertin darin, mich selbst gedanklich runterzumachen. Von Gedanken, wie «Ich bin so dumm» oder «Ich bin so dick» bis hinzu «Was kann ich eigentlich?». Dieser negative Self Talk war bei mir an der Tagesordnung und erst rückblickend ist mir bewusst geworden, wie lieblos ich mit mir und wie wenig hilfreich dieser Talk war. Erst im Nachgang habe ich ausserdem realisiert, dass die Art, wie ich über mich denke, ähnlich zu der ist, wie ich andere Menschen wahrnehme.

Ich verstand, dass ich viel zu streng war mit mir und anderen. Wo war die Liebe mir aber auch den fremden Menschen auf der Strasse gegenüber? Ich kannte sie nicht einmal und trotzdem erlaubte ich mir, über sie zu urteilen. Ich weiss nicht, vielleicht ist es auch ein sehr menschliches Verhalten sich zu vergleichen und sein Umfeld abzuscannen und direkt Urteile parat zu haben. Doch nur weil es vermeintlich «menschlich» ist, heisst es ja noch lange nicht, dass es auch gut ist.

 

Social Media verstärkt das Beurteilen und Kritisieren

In Zeiten von Social Media wird dieses Verhalten wahrscheinlich auch nicht unbedingt reduziert, sondern, im Gegenteil, gefördert. Ich habe das Gefühl, wir wurden durch Social Media noch viel kritischer – uns und unseren Mitmenschen gegenüber. Auf Instagram finden wir viele sehr schöne Menschen vor und ob wir wollen oder nicht, irgendwie nehmen die Bilder, die wir dort sehen, Einfluss auf unsere Eigenwahrnehmung und darauf, wie wir andere Menschen wahrnehmen.

Doch nicht nur das. Durch Social Media ist es noch so viel einfacher geworden zu kritisieren, wenn nicht sogar zu beleidigen, denn wir müssen der Person beim Kritisieren oder Beleidigen nicht mal in die Augen schauen, was den Prozess des Kritisierens leider vereinfacht. Viele nutzen diese Möglichkeit, um ihren Bullshit ungefragt bei anderen abzuladen. Keine gute Eigenschaft, wenn ihr mich fragt. Doch ich möchte Social Media hier gar nicht als den einzigen Übeltäter darstellen.

Kannst du dich beispielsweise noch an die Stichwortlisten aus deiner Abizeit erinnern? Auf diesen «coolen» Stichwortlisten konnte jeder seinen positiven und negativen Senf zu jedem und jeder aus dem Abi-Jahrgang abgeben. Wie menschenverachtend sich dort teilweise geäussert wurde, lies mich doch sehr stark an der Intelligenz mancher Abiturienten zweifeln. Ich halte es heute, wie damals so:

 Wenn ich nichts Nettes zu sagen habe, dann halte ich einfach meine Fresse.

 Oder schöner formuliert:

Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann behalt es besser für dich.

 

Was bei dem negativen Self Talk auf der Strecke bleibt

 Doch nicht nur den anderen gegenüber werden wir kritischer, indem wir beispielsweise zur einen oder anderen Seite swipen, je nachdem, ob die Person auf ein paar Fotos ansprechend genug ist oder nicht, sondern auch uns selbst gegenüber. Wir vergleichen uns und unseren Körper mit oftmals gephotoshopten Versionen von Online-Persönlichkeiten und empfinden dann vielleicht unseren Po als zu klein, die Beine als zu dick oder die Lippen als zu dünn.

Wir befinden uns in einem ständigen Vergleich und vergleichen uns dabei nicht mal mehr mit Menschen, wie sie tatsächlich aussehen, sondern mit der Version von ihnen, nachdem Photoshop mit ihnen fertig ist.

 

Wisst ihr, was mir bei all dem fehlt? Bei dieser Kritik und dem Beurteilen von uns und anderen?

 

Mir fehlt der liebevolle Blick.

Mir fehlt das Wohlwollen uns und anderen gegenüber.

Mir fehlt Milde und Verständnis uns und unseren Mitmenschen gegenüber, egal ob es um’s Aussehen oder Ansichten geht.

 

Stattdessen führen wir nicht nur negativen Self Talk über uns, sondern denken oftmals auch negativ und verständnislos über unsere Umwelt. Wir sind dabei so streng und gehen mit uns und unseren Mitmenschen, die wir meist nicht mal kennen, viel zu hart ins Gericht. 

 

Das ständige Beurteilen beenden

 Ich habe irgendwann für mich erkannt, dass ich das nicht mehr möchte. Ich habe realisiert, dass ich mir gegenüber liebevoller, gnädiger und milder sein möchte. Denn was bringt einem der negative Self Talk? Nichts, ausser schlechter Laune und einem geringen Selbstwertgefühl.

Als ich anfing, gnädiger und verständnisvoller mit mir zu sein, konnte ich schnell erkennen, wie auch meine Wahrnehmung der Aussenwelt liebevoller wurde. Ich würde zwar sagen, dass ich meinen Mitmenschen vorher schon innerlich eher positiv begegnete (ich war vor allem mir selbst gegenüber sehr streng) und doch war eine deutliche Veränderung für mich erkennbar.

Ich begegne Menschen heute in Liebe. Ich möchte nicht mehr durch die Welt gehen und innerlich geht das Kommentieren und Beurteilen los. Ich empfinde es für mich persönlich, einfach nicht als einen feinen Wesenszug, Menschen ständig abzuchecken und mich innerlich negativ über sie auszulassen. Natürlich haben wir alle unterschiedliche Geschmäcker und das ist auch völlig okay. Doch ich denke, uns ist allen bewusst, dass es einen Unterschied gibt zwischen «Ich mag blonde Haare lieber als braune» und «Der da vorne hat eine viel zu grosse Nase».

Doch auch ich bin nur ein Mensch, ich will mich hier gar nicht als Heilige darstellen und auch ich beurteile mal Menschen, die mir auf der Strasse begegnen. Was mir hilft aus diesem innerlichen negativen Kommentieren herauszukommen, ist, mindestens eine Sache an meinem Gegenüber zu finden, die ich toll finde. Durch dieses Umdenken komme ich aus meinem negativen Beurteilen heraus und schliesse es gedanklich mit etwas Positivem ab.

Ich bin übrigens absolut überzeugt davon, dass das, was wir ausstrahlen, auch nonverbal, zu uns zurückkommt. Wenn wir Menschen mit offenem Herzen und offenem Geist begegnen, dann wird uns das in den meisten Fällen so von unseren Mitmenschen gespiegelt werden, indem sie uns ebenso positiv und offen gegenübertreten.

Was ich in diesem Zusammenhang auch sehr empfehlen kann, ist, mehr Komplimente zu machen. Viel zu oft denken wir uns doch etwas Positives, sprechen es aber nicht aus. Dabei freuen wir uns doch alle über Komplimente. Wir halten uns aus Schüchternheit oder Unsicherheit zurück, obwohl wir einer anderen Person mit unserem Kompliment den Tag versüssen könnten.

Deswegen, Leute, traut euch und macht eine andere Person happy! Und das Tolle ist, wenn du jemanden mit einem Kompliment erfreust, wird dich das automatisch auch glücklich machen.

 

Den Self Talk optimieren

Was dich auch glücklich machen wird, ist deinen negativen Self Talk in Bezug auf dich selbst so weit wie möglich aufzugeben, beziehungsweise ihm etwas entgegenzusetzen, wenn er doch mal wieder auftritt.

Um positiver mit sich zu reden, hilft beispielsweise die Spiegelübung, bei der du dir, während du dich selber im Spiegel anschaust, zum Beispiel 5 Dinge sagst, die du an dir schätzt. Du kannst das natürlich auch ohne Spiegel tun, wobei die Übung durch den Spiegel noch intensiviert wird, weil du dir selber dabei in die Augen schauen kannst. Versuche die Übung so oft wie möglich zu machen, am besten mindestens einmal täglich und du wirst bald merken, wie du mehr Anerkennung und Liebe dir gegenüber empfinden wirst.

Wenn ich doch mal negativ mit mir rede, was (natürlich) auch mal vorkommt, dann korrigiere ich mich in einem ersten Schritt selber und bringe im zweiten Schritt für mich und das Verhalten, das ich an mir selber zuvor kritisiert habe, Verständnis auf.

Nehmen wir an, Gedanken, wie «Ich bin so dumm» kommen auf. In solchen Fällen korrigiere ich mich zunächst selber, indem ich zum Beispiel «Rede nicht so mit dir, du bist nicht dumm» zu mir sage. Anschliessend versuche ich meine Verhaltensweise, die dazu geführt hat, dass ich mich als dumm bezeichnete, vor mir selber zu begründen, um mir auf diese Weise aufzuzeigen, dass ich sehr wohl überlegt gehandelt habe. Ich versuche also mir selbst mit Milde und mit Liebe zu begegnen. Das heisst, auf eine Weise, auf die ich mich auch einer Freundin gegenüber, wenn sie sich in der gleichen Situation befinden würde, verhalten würde.

Sei also gnädig mit dir! Auch das kann man lernen, wenn man es zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch nicht ist.

 Ich habe für mich festgestellt, dass mehr Liebe, mehr Verständnis, mehr Milde, mehr Gnade uns selbst und anderen gegenüber, dazu führen, dass wir innerlich freier werden. Dass wir glücklicher und zufriedener werden und dass wir loslassen.

 

Wir lassen die Härte und Strenge los und zurück bleiben Freiheit, Liebe und Verständnis.

Für mich klingt das einem ziemlich guten Deal.

Probier es aus, ich bin überzeugt, du kannst nur gewinnen.

 

Mich würde noch interessieren, ob du streng mit dir und anderen bist. Ausserdem fände ich interessant zu erfahren, ob und wie du dich aus dem Kreislauf des Beurteilens befreien kannst.

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

Alles Liebe,

Deine Anna